« Haben wir Geduld und bleiben wir solidarisch »


Ab kommender Woche kommt es im Sport und damit auch im Segelsport zu gewissen Lockerungen - wenn auch unter Auflagen. Damit die erwähnten Aktivitäten im Segelsport wieder aufgenommen werden dürfen, hat Swiss Sailing – wie alle anderen Sportverbände – auf Geheiss des BASPO vorgängig ein sogenanntes Schutzkonzept erarbeitet, welches sich an den  Rahmenvorgaben für Schutzkonzepte in Sportaktivitäten des BAG/BASPO orientiert.

Dieses «Schutzkonzept Segeln/Windsurfen/Kiten» wurde nach einer Vernehmlassung in den Swiss Sailing-Regionen allen Clubs und Klassen sowie weiteren Akteuren im Segelsport zugestellt. Im Rahmen von zwei Frage- und Antworten-Videokonferenzen sind einige grundsätzliche Fragen zu diesem Konzept aufgetaucht. ZV-Mitglied Christoph Caviezel erläutert im nachfolgenden Interview die wichtigsten Fragen.

Christoph Caviezel, eine Frage, die immer wieder gestellt wurde: Warum hat Swiss Sailing überhaupt ein Schutzkonzept erstellt? Und warum müssen auch die Clubs ein solches Schutzkonzept vorweisen können?

Christoph Caviezel: Die kurze Antwort ist: Damit der Schweizer Segelsport überhaupt in den Genuss der schrittweisen Lockerungen kommen konnte. Wer kein Schutzkonzept hat, geht aussen vor.

Viele Seglerinnen und Segler verstehen nun aber nicht, warum Swiss Sailing für die Wiederaufnahme der Segelaktivitäten in seinem Rahmen-Schutzkonzept strikte Regeln und auch Verbote ausgesprochen hat.

Stop, hier muss ich etwas richtigstellen: Es ist nicht so, dass Swiss Sailing diese Regeln oder Verbote aufgestellt hat. Vielmehr waren die Sportverbände verpflichtet, sich bei der Ausarbeitung ihres sportartenspezifischen Schutzkonzepts an einer ganzen Reihe von Rahmenvorgaben zu orientieren, die das BAG und das BASPO aufgestellt haben. Zudem darf nicht vergessen werden: Es gelten nach wir vor die übergeordneten Massnahmen der Notverordnung des Bundesrats, welcher seit dem 13. März dieses Jahres immer noch per Notrecht regiert.

Vielleicht hilft es zum besseren Verständnis, wenn du das Vorgehen erläuterst, welches schliesslich zu diesen Schutzkonzepten geführt hat…

Sehr gerne. Anlässlich der Bundesratssitzung vom 22. April erhielt unsere Sportministerin, Frau Bundesrätin Viola Amherd, den Auftrag, Lockerungen für den Sport zu konzipieren. Alle Sportverbände wurden am 24. April damit beauftragt, beim BASPO bis am Montag 27. April, Schutzkonzepte für ihren Bereich einzureichen. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass das vorgegebene Korsett, sprich die vorhin erwähnten Rahmenvorgaben, sehr eng war und es immer noch ist. Nachdem er alle eingereichten Schutzkonzepte vorgängig validiert, also freigegeben hat, beschloss der Bundesrat am 29. April die danach kommunizierten Lockerungen. Das bedeutet, dass unser Konzept vom 26. April die aktuelle Version ist.

Wie geht es nun weiter?

Der Bundesrat hat ebenfalls im April eine dreistufige Lockerung beschlossen. Bekannterweise konnten am 27. April zum Beispiel Coiffeurgeschäfte öffnen. Der zweite Schritt wird am kommenden Montag, dem 11. Mai, mit der Öffnung der Geschäfte und Restaurants erfolgen, und eben auch mit den Lockerungen im Sport. Der dritte Schritt ist auf den 8. Juni geplant. Der Bundesrat entscheidet und kommuniziert am 27. Mai darüber, wie dieser dritte Schritt aussehen wird. Bis dahin bleiben die Lockerungen des zweiten Schritts bestehen. Das ist ein sehr wichtiger Punkt.

Warum ist das so wichtig?

Nun, gewisse Kreise haben uns aufgefordert, dass wir per 11. Mai zum Beispiel das Regattieren wieder erlauben sollen. Hier hat es aber zwei Denkfehler drin.

Worauf möchtest du hinaus?

Gewisse Personen scheinen vergessen zu haben, dass das Versammlungsverbot, das Verbot von Vereinsaktivitäten und das Verbot sämtlicher Wettkämpfe nach wie vor gelten. Es liegt nicht an Swiss Sailing oder an einem anderen Verband, die Covid-19-Verordnung zu ändern. Dieser Entscheid liegt einzig und allein beim Bundesrat. Und der zweite Denkfehler liegt wie soeben erwähnt darin, dass sich der Bundesrat zu den weiteren Lockerungen erst Ende Mai äussern wird. Das ist Fakt und lässt keine Diskussion zu.



Auf den 11. Mai werden Restaurants geöffnet und der Öffentliche Verkehr wieder hochgefahren. Ist das nicht ein Widerspruch?

Es mag tatsächlich unverständlich sein. Aber auch die Restaurants und der ÖV mussten Schutzkonzepte einreichen. Ich weiss nicht, ob das Nachtessen im Restaurant dann wirklich so toll sein wird. Einige Restaurants werden es sich auch nicht leisten können. Der Bundesrat musste in diese Richtung entscheiden, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage neue Impulse zu vermitteln. Wichtig ist aber, dass die Zugfahrt keine Versammlung ist und darum nicht unter das Verbot fällt. Unter dieser Maxime ist beispielsweise auch die Öffnung der Schulen unter den Auflagen des BAG zu sehen.

Wie sieht es denn mit den Clubhäusern mit Restaurants aus?

Öffentliche Restaurants in Clubhäusern fallen unter das Schutzkonzept der Gastronomie. Die Bewirtung in Vereinslokalen hingegen bleibt verboten, da wie gesagt sämtliche Vereinsaktivitäten weiterhin verboten sowie alle Sportanlagen geschlossen sind. Wir konnten im Rahmen der Ausarbeitung des Schutzkonzepts erreichen, dass wenigstens die sanitarischen Anlagen geöffnet werden können.

Was geschieht eigentlich, wenn sich jemand nicht an die Vorgaben der Covid-19-Notverordnung hält?

Artikel 10 der Verordnung sieht bei einem Verstoss gegen die Massnahmen Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor. Also ziemlich happig.

Wie sieht es eigentlich in anderen Ländern aus?

Vergleiche sind schwierig und bringen wenig, da sich die Pandemie von Land zu Land unterschiedlich entwickelt. Wenn ich aber zum Beispiel an Italien denke, dann herrschte dort seit Ende Februar bis gestern ein striktes Ausgehverbot. An Segeln war also rund zehn Wochen überhaupt nicht zu denken.

Eine persönliche Frage: Wie meisterst du die Coronazeit?

Nun, ich arbeite wie viele andere seit längerer Zeit ebenfalls im Homeoffice und empfinde das Ganze als sehr intensiv. Zumal uns vom ZV wichtig war, unsere Mitglieder jeweils zeitnah zu informieren. Das bedeutet, unsere Kommunikationsaktivitäten wurden intensiviert. Auch haben wir den generellen Digitalisierungsschub mitgemacht und eSessions und Sitzungen über Zoom abgehalten. Parallel dazu arbeite ich weiterhin 100% in meinem eigentlichen Job.

Ein Wort zum Schluss?

Ich weiss, dass viele Menschen so langsam den Corona-Blues spüren. Es geht mir auch so. Wir müssen nun aber Geduld haben und uns solidarisch verhalten. Das strikte Einhalten der BAG-Hygienevorschriften und die Umsetzung des Schutzkonzeptes werden viel zur Bewältigung der Pandemie beitragen. Wir vom ZV und die Geschäftsstelle bleiben weiterhin motiviert an den aktuellen Entwicklungen dran und werden uns bei den relevanten Stellen einsetzen, damit wir baldmöglichst wieder zu einer Art Segel-Normalität finden.

 

Christoph, vielen Dank für das Gespräch!

 

Zur Person: Christoph Caviezel ist seit Juni 2017 Mitglied des ZV von Swiss Sailing. Er ist für den Fachbereich Kommunikation, Marketing und Public Affairs verantwortlich. Christoph Caviezel war persönlicher Mitarbeiter von aBundesrat Joseph Deiss und leitet bei der Wirz Gruppe den Bereich Wirz Public Affairs.


Weitere Informationen / Q&A:

Eine Zusammenstellung der bis heute bei uns eingetroffenen Fragen und Antworten finden Sie in Kürze auf unserer Website > FAQ Schutzkonzept.
Hinweis: Das FAQ wird laufend ergänzt.

Wir weisen Sie zudem auf das Q & A des BASPO zu den Lockerungen im Sport hin.

> Zum «Schutzkonzept Segeln/Windsurfen/Kiten»

> Zum Covid-19-Dossier von Swiss Sailing