ITACA - Segeln gegen Krebs


In Italien und Deutschland wird Segeln als Therapie für krebskranke Kinder und Jugendliche schon seit einigen Jahren eingesetzt. In Lugano wurde im Sommer 2017 erstmals ein Schweizer Projekt lanciert. Auch diesen Sommer sollen krebskranke Patienten gemeinsam segeln können. Die nächsten ITACA-Nachmittage sind geplant für den 1. Juni 2019 und den 7. September 2019.

Bruno Rossini, Vorstandmitglied des Luganer Segelclubs und Mitglied des Zentralvorstandes von Swiss Sailing, hatte das Projekt ITACA schon vor einigen Jahren am Gardasee kennengelernt. ITACA will Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die gegen eine Tumorkrankheit kämpfen, Raum zur Begegnung bieten, sie ins aktive Leben zurückholen und psychisch stärken. Laut Bruno Rossini eignet sich der Segelsport dazu ideal: «Der Segelsport verbindet sich hervorragend mit der Philosophie von ITACA, wenn man die Krankheit und den langwierigen Heilungsprozess, in Anlehnung an Homers Odysseus, als eine Reise ins Unbekannte betrachtet, um schlussendlich im sicheren Hafen der Genesung oder zumindest Linderung zu landen.»

Es erfüllt den ehemaligen Banker und mehrfachen Grossvater sichtlich mit Stolz, dass ITACA vor zwei Jahren von Panathlon Lugano den Preis als bestes ethisches Projekt erhalten hat, «und das während einer Sendung des Tessiner Fernsehens!» Aber am meisten freue es ihn mitzuerleben, wie die Patienten und ihre Angehörigen zufrieden und trotzt den schweren gesundheitlichen Problemen lächelnd die Boote verlassen. «Die Nachmittage auf dem Segelboot helfen ihnen, Mut und Hoffnung zu schöpfen», so Bruno Rossini. Man spürt: Für den 73-jährigen Tessiner ist das Projekt eine Herzensangelegenheit.

Tessiner Krebsliga und Bootsbesitzer unterstützen ITACA

Unterstützung zu seinem Pilotprojekt erhielt Bruno Rossini von der Tessiner Krebsliga und mehreren Onkologen. Im Segelclub wurden Jachteigener gefunden, die ihre Boote zur Verfügung stellten. Auch dieses Jahr stehen wieder zehn Jachten für die beiden ITACA-Nachmittage auf dem Lago di Lugano bereit, damit die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen unbeschwerten Nachmittag auf dem Wasser verbringen und erfahren können, was Segeln bedeutet: sich auf die Elemente zu konzentrieren, Verantwortung für sich und die andern zu übernehmen, sich mit andern zu messen und an den eigenen Schwächen zu arbeiten.

«Für Krebskranke ist es wichtig, sie aus dem endlosen Kreislauf, der geprägt ist von Spitalaufenthalten, Therapien und Medikamenteneinnahmen, herauszuholen», erklärt Alba Masullo, Direktorin der Tessiner Krebsliga. Segeln eigne sich dazu hervorragend. «Es gibt zwar noch keine wissenschaftliche Auswertung, wie sich diese Aktivitäten auf den Gesundheitszustand der Kranken auswirken, aber wer die Teilnehmer beobachtet hat, ist vom positiven Effekt überzeugt», erklärt sie.

Weitere Informationen

http://cvll.ch/progetto-itaca

www.legacancro.ch


 


 

«Segelrebellen» in Deutschland

Bereits erste Rückmeldungen von Medizinern gibt es von einem ähnlichen Projekt in unserem nördlichen Nachbarland. Die gemeinnützige Gesellschaft «Segelrebellen» organisiert für Jugendliche und junge Erwachsene mehrwöchige Segeltörns auf dem Meer. Hier gibt es übereinstimmende Feedbacks von den Ärzten der Patienten die bestätigen: Nebenwirkungen der Chemotherapie wurden gemildert, die Teilnehmer sind nach dem Segeln aktiver und vor allem psychisch stabiler. Das Angebot der «Segelrebellen» richtet sich auch an Betroffene aus der Schweiz. www.segelrebellen.com


Autor: Walter Rudin; bearbeitet von Diana Fäh

Fotos: zVg