„Segelgarn aus der Schweiz“ - Ein Gastbeitrag von Karin Imoberdorf zum Auftakt des neuen Jahres


Der Gemeinderat von Nyon hatte gründlich recherchiert: „Aktive Kielbootklasse, One-Design, leicht zu trailern, taktisch zu segeln, für 2-3 Personen, unsinkbar und Familienboot.“ Was ihm aber wirklich ins Auge stach war der Name: „Yngling“. Den „Jüngling“ deutete er für sich als junge oder jung gebliebene Klasse. Das gab schlussendlich den Ausschlag, und die Schweizermeisterschaft 2017 in Nyon konnte beginnen. Und erwiesen sich in der Folge als voller Erfolg!

18 Schweizer Boote. Anspruchsvoller Wind, der von Feingefühl und scharfer Beobachtungsgabe bis Trimm und Ausreitkünsten alles verlangte. Schweizermeister 2017 in der „Jünglingsklasse“ wurde Thomas Beck und sein Team. Neben dem Segeln blieb an den Abendessen aber immer auch viel Zeit, um etwas Segelgarn zu spinnen. Und um ein paar interessante Fragen zu beantworten. Beispielsweise die nachfolgende:

Warum entscheidet sich ein Segler für den Yngling?

Variante A: Der Vater kauft einen Yngling und nimmt sein Kind zum Segeln mit. Danach ist das Kind infiziert und kauft sich später einen eigenen. So erging es unter anderem auch mir. Am besten gefiel mir hierzu folgende Geschichte:

„Meine Mutter wurde wieder einmal von meinem Vater auf einen Berg geschleppt. Erschöpft stand sie auf dem Gipfel und dachte: So geht es nicht weiter. Ich höre auf zu wandern und mache einen Segelkurs.
Daraufhin kaufte mein Vater, ein ehemaliger Star-Segler, einen Yngling. Bald begannen wir zu regattieren, mein Vater, meine Mutter, mein Bruder (damals 9) und ich (damals 11). Sie sagten immer, wir zwei zählen nur als einer, und so waren wir zu dritt und fochten unsere ersten Kämpfe gegen den heutigen Schweizermeister.“

Variante B: Man gründet eine Familie und hat keine Zeit mehr für exzessive Regattatrainings.

„Mein Vater besass einen Yngling erster Generation. Direkt aus Norwegen importiert. Ich segelte manchmal mit ihm, bin also bereits vor 50 Jahren auf einem Yngling gesessen. Obwohl ich damals ein aktiver Jollensegler war. 1980 gründete wir Familie und ich beschloss mit dem Jollensegeln aufzuhören, konnte aber das Segeln nicht lassen. Da ich damals knapp bei Kasse war musste ich ein günstiges Schiff finden… Ein im Winterlager vom Bock gestürzter Yngling hatte ein paar Schrammen abbekommen – ein Schnäppchen. Ich gewann trotzdem auf ihm und segelte ihn sechs Jahre lang an diversen Meisterschaften.“

Variante C: Man entdeckt die Yngling-Familie und findet eine Gruppe ambitionierter und geselliger Segler, in welcher sich einem Mitsegel-Möglichkeiten, Bootsausleih- und Mietmöglichkeiten (Sailcom), Trainingsangebote, etc. auftun – unkompliziert, regelmässig und gut organisiert. Hierzu folgende Geschichte:

„Wir hatten einen kleinen Bootsplatz gefunden,  besassen aber noch kein Boot. Auf Grund unserer langjährigen Erfahrung mit Sailcom und deren Yngling-Booten, den regelmässigen Dienstagstrainings auf dem Zürichsee und dem guten Schnupperanlass haben wir uns für den Yngling entschieden. Wir sind nun ca. ein Jahr dabei, haben noch viel zu lernen, sind aber voll motiviert. Zeigt man ein wenig Interesse, wird einem der Weg geebnet. Beispielsweise konnten wir in Sneek erste internationale Erfahrungen sammeln, auf einem holländischen Leihboot.“

So ist es nicht erstaunlich, dass „manch eine unsichtbare Träne vergossen wird, wenn sich ein Ynglist nicht mehr jung genug fühlt um mitzusegeln und die Klasse verlässt“. Auch sind die Boom-Jahre zurzeit vorbei. Man fragt sich zu Recht, ob die Yngling-Klasse auch in Zukunft bestehen wird. Immer weniger wollen sich heute an ein Hobby binden und viel Zeit investieren, ein Boot regelmässig pflegen. Zu dicht sind die Terminpläne anderweitig, zu intensiv der Alltag. Gerade hier aber bietet der Yngling, respektive die Yngling-Klasse interessante Möglichkeiten. Nachfolgend die grössten Vorzüge in aufsteigender Reihenfolge:

  • 1 einfach zu unterhaltendes Boot,
  • 10 gut organisierte Anlässe pro Jahr,
  • > 100 aktive Schweizer Segler,
  • unendlich viel Segelgarn.

Was hält uns Yngling Segler folglich zusammen?

Nach zahlreichen unterhaltsamen Gesprächen komme ich zum Schluss. Der gemeinsame Nenner ist die Familie – im reinen und im übertragenen Sinn – zusammengehalten durch viel Segelgarn, Erlebnisse mit und auf dem Yngling.

Nachtrag: Als Grundlage für diesen Artikel habe ich an der SM 2017 in Nyon folgende Segler interviewt: Thomas Huber, Jan Wild, Sandra Schaer, Christoph Bichsel, Markus Jakob, Karin Nordström und Thomas Beck. Vielen Dank für eure Geschichten, welche ich zum Teil stark vereinfacht wiederzugeben versucht habe!

Autorin: Karin Imoberdorf (Segelclub Hallwil)


 

Übrigens: Vom 23. Bis 26. August 2018 kürt die Yngling-Klasse auf dem Vierwaldstättersee den Schweizermeister 2018 und damit den resp. die Nachfolgerin von Thomas Beck und seinem Team.

Wann und wo die Schweizermeister in den übrigen Klassen erkürt werden, ist hier ersichtlich