«Es gibt in der Schweiz sehr viele und vor allem sehr gute Seglerinnen!»


Der erste SSL Women’s Cup ist Geschichte! Die 15 Frauenteams aus der ganzen Schweiz haben es spannend gemacht: die Entscheidung fiel nämlich erst im letzten Rennen! Gewonnen hat Team M.Nil vor dem Frauenteam des ZSC. Rang 3 geht an die SNG, während die lange Zeit führenden Seglerinnen der Seglervereinigung Thalwil im letzten Rennen noch auf Platz 4 zurückfielen.

Die Nase vorn hatte nach drei Regattatagen zwar das Team M.Nil, aber der Pokal als bestes Schweizer Clubteam geht an die Seglerinnen des ZSC, welche in der Gesamtwertung Platz zwei belegten - und sich damit die Qualifikation zur Women’s Sailing Champions League 2019 sicherten, ebenso wie die drittplatzierten Seglerinnen der SNG. Der erstmals ausgetragene Women’s Cup der Swiss Sailing League jedenfalls war ein Erfolg, und auch das Format stiess bei den Seglerinnen auf grossen Anklang.

Wir haben Livia Naef (Team M.Nil), Linda Fahrni (TYC), sowie Nathalie Brugger und Coraline Jonet von ChicaCER um ihre Bilanz des Events gebeten.

Welches Fazit zieht ihr aus diesen drei Tagen? Was hat euch am ganzen Event am besten gefallen?

ChicaCER: Dass wir es nach zwei Tagen und 18 Wettfahrten geschafft haben, die CER-Crew der Société Nautique de Genève für das Finale der Europäischen Frauenliga 2019 zu qualifizieren, hat uns natürlich sehr gefreut. Und dass wir ein paar Stunden miteinander verbringen konnten, um uns auf das Frauen-Matchrace in Ascona vorzubereiten, welches dieses Wochenende stattfindet. Grundsätzlich ist es sehr erfreulich, dass 15 Team und 70 Frauen aus allen Ecken der Schweiz den Weg ins Tessin gefunden haben, um sich auf dem Wasser zu messen. Das war schon einmal ein guter Anfang! Jetzt gilt es, diese dynamische Entwicklung nutzen und an die Zukunft zu denken! Wir sollten eine Seglerbörse, also eine Datenbank mit Schweizer Seglerinnen, lancieren, um mehr weibliche Teams für alle Arten von Regatten im In- und Ausland zu haben. Meist fehlt ja ein Teammitglied mit einer bestimmten Grösse oder für eine bestimmte Position, um eine Crew aufstellen zu können… Genau für solche Situationen wäre eine Seglerbörse hilfreich. Eine weitere Idee für die Zukunft : Angesichts der Begeisterung für diese erste Veranstaltung wäre es gut, eine echte Frauenliga aufzubauen, spezifische Trainingseinheiten zu organisieren und so die in der Schweiz auf Jollen ausgebildeten Seglerinnen in den Fokus zu stellen, die weiterhin Regatten segeln wollen.

Linda Fahrni (TYC): Grundsätzlich mag ich dieses Format der Liga richtig gut. Die Races sind kurz, und man muss sehr schnell viele Entscheidungen treffen. Für mich als 470er Seglerin ist es auch immer wieder schön, mit neuen Leuten auf einem Boot zu sitzen und neue Ideen und Ansichten zu entdecken. Schliesslich war es einfach super cool, einmal die Schweizer Frauen Segelszene auf einem Haufen zu sehen. Ich dachte bisher immer, diese sei sehr klein, aber das stimmt gar nicht. Es gibt in der Schweiz sehr viele sehr gute Seglerinnen!

Livia Naef (M.Nil): Ich fand es mega cool all die Frauen wieder zu treffen, die ich von früher bereits kenne. Es war irgendwie fast wie ein Klassentreffen :) Es ist toll, dass es so viele segelbegeisterte Frauen in der Schweiz gibt und dass die Swiss Sailing League es ermöglicht, dass wir gegeneinander antreten können.

Was war die grösste Herausforderung für euer Team?

Linda Fahrni (TYC): Für uns als Team war die grösste Herausforderung die Abstimmung an Bord. Wir hatten genau ein einziges gemeinsames Training, um die jeweiligen Positionen zu bestimmen. Für mich persönlich kam erschwerend hinzu, dass ich für einmal nicht an der Pinne sass. Das war eine ziemliche Herausforderung, da ich mich normalerweise nicht wirklich mit den Abläufen auf dem Boot beschäftige. Ehrlichgesagt war ich teilweise ein bisschen ziellos und wusste nicht, was ich alles machen muss. Aber auf jeden Fall war es eine gute Erfahrung für mich, um die Kommunikation an Bord und die Entscheidungen, welche getroffen werden, besser nachvollziehen zu können.

Livia Naef (M.Nil): Für mich persönlich war die grösste Herausforderung, mich trotz Kälte und Nässe 100% zu konzentrieren. Generell war unsere grösste Herausforderung, in kurzer Zeit ein eingespieltes Team zu werden, da wir in dieser Zusammensetzung noch nie miteinander gesegelt sind.

Und noch eine letzte Frage an Livia Naef: Warum war Team M.Nil schneller als alle anderen?

Livia Naef (M.Nil): Ich denke wir waren nicht unbedingt schneller als andere. Die Rennen sind extrem kurz und eng, so dass ein bisschen Glück ebenfalls dazugehört. Auf jeden Fall muss man schnelle Entscheidungen treffen können. Das ist uns oftmals gut gelungen. Taktisch ist es genau gleich wie die kurzen Trainingsrennen auf dem 49erFX, auf welchem ich normalerweise segle. Ebenfalls dazu gehört ein gutes Boatshandling. Ausserdem hat unser zusammengewürfeltes Team super funktioniert, als ob wir schon ewig zusammen segeln. Jeder hat 100% auf seiner Position gegeben, und auch die Kommunikation hat perfekt geklappt. Echt cooler Teamspirit!

Hier geht's zum offiziellen Bericht der Swiss Sailing League


Swiss International Women’s Match

Der Lago Maggiore ist übrigens am kommenden Wochenende erneut fest in weiblicher Hand: Vom 30. Oktober bis 3. November wird vor Ascona das Swiss International Women’s Match ausgetragen.  Der Event ist Teil der WIM Series. Zwölf Frauenteams aus sechs Nationen werden daran teilnehmen, darunter das Swiss Women Match Racing Team mit Alexa Bezel, Fiona Testuz, Manon Kivell und Louise Thilo sowie ChicaCER mit Laurane Mettraux, Coraline Jonet, Elodie-Jane Mettraux, Libby Greenhalgh und Nathalie Brugger.

Weitere Infos dazu finden Sie unter http://women.matchracing.ch/