Sicherheitstraining ist nicht gleich Sicherheitstraining

Parallel mit dem zunehmenden Interesse am Hochseesegeln und insbesondere der Teilnahme an Regatten auf See (ARC, Fastnet, Sydney Hobart, Giraglia, Middle Sea Race, etc.) ist auch die Zahl der Angebote an sogenannten „Certified ISAF Safety Trainings“ gestiegen.  Segelschulen und andere Anbieter haben hier ein zusätzliches Einkommenspotential gefunden.

Bei genauerem Hinsehen und Prüfung der Angebote stellen sich oft wichtige Fragen: Wie ist der Anbieter zum Zertifikat der ISAF (International Sailing Federation) gekommen? Wie kontrolliert die ISAF die Einhaltung der Voraussetzungen durch den Anbieter? Woraus bestehen diese Voraussetzungen? Sind die Inhalte der Ausbildungen der verschiedenen Anbieter vergleichbar? Was bedeutet überhaupt „zertifiziert“?  

„Zertifiziert“ ist schnell einmal in einen Prospekt geschrieben oder auf der Homepage publiziert. Das Sicherheitstraining der ISAF ist in den ISAF Offshore Special Regulations, Section 6 (Training) definiert. Der Appendix G (Model Training Course) enthält ein Modell für die Durchführung eines solchen Kurses. Dabei werden einem Anbieter gewisse Freiheiten gewährt, die dazu führen können, dass Kurse mit sehr unterschiedlichem Niveau angeboten werden und dass die Inhalte auch voneinander abweichen.  

Um unter anderem diese Vergleichbarkeit und einen Mindeststandard in der Ausbildung zu gewährleisten, hat die ISAF  die Verantwortlichkeiten und die Organisation der ISAF Kurse geregelt.  

Swiss Sailing ist MNA

Den Status „ISAF Approved“ für einen Sicherheitskurs kann nur durch eine MNA (Member National Authority), also durch den nationalen, der ISAF angegliederten Verband (in der Schweiz durch Swiss Sailing) vergeben werden. Zu diesem Zweck muss die MNA den Kurs besucht und auditiert haben. Zudem wird verlangt, dass die MNA den Kurs regelmässig inspiziert und überprüft, ob die Voraussetzungen zur Zertifizierung noch erfüllt werden. Falls nicht, ist die Zertifizierung aufzuheben. Die ISAF empfiehlt eine jährliche Überprüfung.  

Es muss vermutet werden, dass diese grundlegenden Bedingungen für eine Zertifizierung von sehr wenigen Anbietern erfüllt werden. Es genügt nicht, einen erfahrenen Instruktor zwei Tage lang den Kurs durchführen zu lassen! Als potentieller Teilnehmer wäre also vorgängig abzuklären, ob wirklich ein „zertifizierter“ Kurs vorliegt.  Ansonsten segelt man unter Umständen mit einem ungültigen Kurszertifikat an den nächsten Regatten mit und gaukelt (unbewusst) den Organisatoren, dem Skipper und dem Rest der Crew eine falsche Sicherheit vor.  

Anbieter sind in der Pflicht

Noch viel wichtiger ist es aber für den Anbieter sicherzustellen, dass er wirklich ein im vorliegenden Sinne“ ISAF Approved Safety Training“ anbietet. Wenn nicht, läuft er Gefahr bei einem Unfall eines seiner Teilnehmer haftbar gemacht zu werden. Es geht hier um Sicherheit und zwar vor dem Hintergrund der bekannten Vorkommnisse beim Fastnet und Sydney Hobart Race. Spielraum gibt es keinen. 

Die Verwendung des ISAF Logos ist geschützt und darf ebenfalls nur durch die MNA erlaubt werden. Auch hier drohen dem nichtkonformen Anbieter unter Umständen Probleme.  Vor der Ausschreibung von Sicherheitskursen bzw. dem Einschreiben als Teilnehmer ist es daher empfehlenswert, sich an die zuständige MNA zu wenden, um sich Klarheit bezüglich der ISAF-Zertifizierung zu verschaffen.

Für die Schweiz ist das Swiss Sailing, Ressort Segelsport, Talgutzentrum 27, 3063 Ittigen (sailing@swiss-sailing.ch; Tel. +41 31 359 72 66).