Jean-Bernard Luther: „Hinter jedem Projekt und Erfolg steckt immer ein Team!“


Im Ressort Racing werden alle Themen des Wettsegelns betreut. Im Speziellen ist das Ressort Racing zuständig für die Organisation der Schweizermeisterschaften und in der Ausarbeitung der Reglemente im Zusammenhang mit Regatten. Ab Januar 2018 amtet der gebürtige Neuenburger Jean-Bernard Luther als neuer Chef des Ressorts Racing. Wir haben ihn zu seinen Erwartungen und Zielen befragt. Und wollten wissen, was für ihn sonst noch alles wichtig ist im Leben. Nachfolgend das Interview.

Swiss Sailing: Zuerst einmal herzliche Gratulation zu Ihrer Ernennung zum neuen Chef des Ressorts Regatta. Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an Ihre neue Aufgabe denken?

Jean-Bernard Luther: Ich möchte allen meinen Segel-Freunden, egal welcher Klasse, Freude bereiten. Von den Anfängern bis zu den Profis, von den Jüngsten bis zu den ältesten Amateuren des Segelsports, des Cruising oder der Regatten. Ich erwarte und freue mich darauf, dass ich für Segelbegeisterte und für alle Kategorien von Seglern arbeiten darf.

Welches werden die Schwerpunkte in Ihrem Ressort sein?

Zunächst möchte ich die von meinen Vorgängern geleistete Arbeit würdigen; ich habe grossen Respekt, was sie alles geleistet haben. Ein Schwerpunkt wird sicher die Weiterentwicklung von Manage2Sail sein. Die Implementierung dieser Software war ein Erfolg, auch wenn die Anpassung für einige Clubs mit grossen Anstrengungen verbunden war. Aber M2S ist ein grossartiges Werkzeug. Sobald Sie es beherrschen, können Sie eine Regatta von A bis Z verwalten: Registrierungen, Publikationen, Rankings, etc. – ausser den Kaffee, den müssen Sie noch selber machen!

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Qualität der Offiziellen, die ihren Clubs bei der Organisation der Regatten helfen. Natürlich sind wir alle Amateure, aber Amateur ist nicht gleichbedeutend mit mangelnder Servicequalität. Es ist wirklich wichtig, dass sich die Clubs von den Offiziellen, also den Wettfahrtleitern, den Schiedsrichtern sowie den Delegierten unterstützt fühlen. Was die Segler anbelangt: Sie müssen wissen, dass unsere Spielregeln dieselben sind wie überall auf der Welt. Kurz gesagt: Wir müssen die Schweiz auf das Niveau der Offiziellen der uns umgebenden Länder heben.

Was sind die grössten Herausforderungen, denen Sie sich in den nächsten Tagen und Wochen stellen müssen?

Im Moment geht es darum, die Position und all die Leute kennenzulernen, die viel Zeit investieren, damit alles funktioniert. Dann müssen wir uns unbedingt besser mit den Nachbarländern vernetzen.

Was ist Ihnen wichtig, wenn Sie an Ihren neuen Job denken?

Swiss Sailing steht im Dienste der Segler. Swiss Sailing-Mitglieder müssen wissen und spüren, dass wir für sie arbeiten, dass wir sie resp. ihre Interessen verteidigen, falls nötig. Jeder muss merken, dass seine Mitgliedschaft für ihn von Vorteil ist. In diesem Sinne muss Swiss Sailing den Mitgliedern aufzeigen, dass der nationale Verband ihnen etwas zu bieten hat. Ein erster Schritt wurde mit dieser echten Profi-Software getan: Schliesslich wird die Clublizenz für M2S von Swiss Sailing bezahlt. Ein zweiter Schritt wird mit einem Beitrag zur Finanzierung der Offiziellen für wichtige Veranstaltungen verbunden sein. Wie? Das muss noch geklärt werden.

Was gefällt Ihnen resp. fasziniert Sie am Segelsport?

Die damit verbundenen Herausforderungen. Sich den Elementen stellen, sich selbst gegenüberstellen. Und wir sind immer noch mit einer Natur konfrontiert, die sich als schön, freundschaftlich, aber auch rücksichtslos erweisen kann.

Was wünschen Sie sich für den Schweizer Segelsport in der nahen Zukunft?

Natürlich möchte ich, wie jeder andere auch, dass unsere Elite-Athleten einen Ehrenplatz einnehmen und Medaillen gewinnen. Ichwünsche ihnen dazu alles Gute. Für die Amateure hoffe ich, dass sie beim Segeln stets Spass haben – sei es auf regionaler, nationaler oder internationaler Ebene.

Auf welcher Bootsklasse fühlen Sie sich eigentlich am wohlsten?

Ich segle derzeit einen Toucan aber ich würde sagen, dass mich jedes Einrumpfboot (weil ich sie kenne) glücklich machen kann.

Wie oft sind Sie auf dem Wasser anzutreffen? Welches ist Ihr bevorzugtes Segelrevier?

Ich segle vorzugsweise auf dem Genfersee, und bin dort fast jede Woche während der Saison an einer kleinen Clubregatta anzutreffen. Dann, wenn ich kann, nehme ich gerne an wichtigeren Regatten teil. Ich mag besonders Monotyp-Rennen, weil dabei wirklich auf Augenhöhe gekämpft wird.

Haben Sie Zeit für andere Freizeitaktivitäten als Segeln, welche?

Ja, ein paar Spaziergänge oder Ausflüge, und im Winter fahre ich gerne Ski.

Und eine letzte Frage: Auf welche Leistung - sportlicher oder nicht sportlicher Natur – sind Sie besonders stolz?

Jetzt wird es ein wenig prätentiös, wenn ich antworte... Auf professioneller Ebene war sicher die Installation des EPFL-Chemie-Campus in Sion in nur gerade zweieinhalb Jahren in einem unmöglichen Gebäude eine Herausforderung und Leistung, auf die ich stolz bin. Was den Sport betrifft, glaube ich nicht, dass ich auf eine bestimmte Leistung besonders stolz bin. Wie für jedes Kind war es selbstverständlich auch für mich eine grosse Ehre, für die heutige ISAF-YOUTH selektioniert zu werden. Die Teilnahme an der Tour de France à la Voile mit der Herausforderung, so viele junge Leute wie möglich aus der Region zur Teilnahme zu animieren, war ein wahres Vergnügen. Aber all das war noch nie nur mein Verdienst; hinter jedem Projekt steckt immer ein Team.