Zentralisierte Junioren SM in Ascona: mehr als 200 lachende Gesichter und ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk


Während vier Tagen stand der Lago Maggiore ganz im Zeichen der Jugend resp. der helvetischen Segelhoffnungen: Über 240 Seglerinnen und Segler im Alter von acht bis ca. 18 Jahren kämpften vor Ascona an den zentralisierten Junioren Schweizermeisterschaften in drei Klassen um den Schweizermeistertitel. Darunter auch der eben zehn Jahre alt gewordene Antoine und sein zwei Jahre älterer Bruder Nicolas vom CNP, denen ich am Samstagvormittag beim Bereitmachen ihrer Optis über die Schulter schauen durfte. Oder die zehnjährige Charlotte vom CNM, die mich u.a. mit ihren iPhone- Supportfähigkeiten im strömenden Regen beeindruckte (Nochmals vielen Dank, Charlotte!). Und natürlich Maxime Thommen, der sich mit seinem SM-Titel ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk gemacht hat.

Überhaupt war ich vor allem von den acht bis 15-jährigen Optiseglern, welche an diesem Samstag stoisch dem Regen trotzten, sich trotz Flaute ihre gute Laune nicht verderben liessen und geduldig auf den Wind und auf das Startsignal warteten, beeindruckt. Ebenfalls beeindruckend: das Engagement der Offiziellen, welche die nicht ganz einfache Aufgabe hatten, diese ganze Schar insbesondere auf dem Wasser in Schach zu halten. Und natürlich das Engagement der Eltern, die mit viel Herzblut bei der Sache sind und ihren Nachwuchs bei ihrem aufwändigen Hobby tatkräftig unterstützen - selbst wenn sie selber nichts mit Segeln am Hut haben. So ergeht es beispielsweise den Eltern von Antoine und Nicolas: Frédéric und Aline Comby stammen ursprünglich aus Verbier, dem bekannten Skigebiet in den Walliser Alpen. Als sie an den Genfersee gezügelt sind, haben sie dort für ihre Kinder ein sinnvolles Hobby gesucht – und im Optisegeln schliesslich auch gefunden. Antoine hat vor zwei Jahren mit dem Segeln begonnen; Nicolas schon etwas früher. Beide lieben es, im Freien zu sein; Wind und Wetter machen den beiden ganz offensichtlich nichts aus. Etwas, das im Übrigen für alle Kids gilt, die an der Junioren SM teilnehmen.

Nicolas und Antoine : Traumziel Opti-Weltmeister

In der Tat: Man braucht den Nachwuchsseglerinnen und -seglern nur zuzuschauen, wie sie während dem Warten auf Wind an Land trotz strömendem Regen vergnügt zwischen den Optis herumwuseln. Überhaupt scheinen Segelkids nebst einer „Wettertrotzigkeit“ mit einer unermesslichen Geduld ausgestattet zu sein, denn Warten auf Wind gehört zum Segeln genauso dazu wie die Chrono am Handgelenk – um die Startzeit nicht zu verpassen, wie mir Charlotte verraten hat. Die Ziele von Nicolas und Antoine sind jedenfalls klar: Weltmeister werden. Was sonst… Schliesslich haben es Nicolas Rolaz und Max Wallenberg vor drei resp. zwei Jahren vorgemacht.

Charlotte: Mit Spass an der Sache

Charlotte ist vor zwei Jahren zum Segeln gekommen. Und nach anfänglichen Schwierigkeiten extrem happy damit. Das hat sie mir übrigens auch auf den Weg mitgegeben: Durchhalten und nicht schon beim kleinsten Widerstand die berühmte Flinte ins Korn werfen. Ich werde es meinen Kindern ausrichten. Und mich selber ab und an an ihre Worte erinnern. Sie ist an der Junioren SM das einzige Mädchen in ihrer Gruppe; entsprechend werde sie von den Jungs ab und zu etwas geneckt. Ihre Antwort darauf gibt sie auf dem Wasser: indem sie ihnen einfach davonsegelt. „Aber eigentlich haben wir es meistens lustig, neben und auch auf dem Wasser“, antwortet Charlotte auf meine Frage, was ihr am Segeln denn am besten gefalle. Auch das etwas, das sofort auffällt: es wird viel gelacht, auch wenn der Regen in Strömen fällt und der Wind auf sich warten lässt.

Maxime : Ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk

Zum Junioren Schweizermeistertitel 2017 hat es dieses Jahr weder Charlotte noch Antoine noch Nicolas gereicht. Den Titel gewonnen hat bei den Optis Maxime Thommen. Der Zuger, der genau heute seinen 13. Geburtstag feiert, hat sich am Sonntag mit dem Schweizermeistertitel ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk gemacht. Maxime hatte an allen drei Regattatagen die Nase vorn und hat sich den Titel schliesslich mit einem komfortablen Vorsprung von acht Punkten auf den Zweitplatzierten Maxim Dneprov gesichert. Nach seinem Erfolgsrezept befragt meint Maxime „Immer konzentriert bleiben, gut schauen, wo der Wind ist, und sich nicht nervös machen lassen.“ Ausserdem sei er immer früh schlafen gegangen. Auch das werde ich meinen Kindern ausrichten…

Theresa Lagler : Eine gelungene Sache

Sich über den Sieg von Maxime Thommen an dieser zentralisierten Junioren SM ebenfalls gefreut haben sich natürlich auch Sebi Beer, SSTR5-Trainer Optimist, sowie Theresa Lagler, Trainerin des SSTR5 Laserteam. Letztere findet die Idee mit der zentralisierten SM eine gute Sache: „Das gibt den Seglern die Gelegenheit, Kollegen aus anderen Bootsklassen zu treffen.“ Dasselbe gelte auch für die Coaches, welche die Gelegenheit hätten, sich am selben Anlass auszutauschen. „Ein weiterer Vorteil hier in Ascona war zudem, dass die Opti-Segler den „Grossen“ gewisse Sachen abschauen konnten.“

Marc Oliver Knöpfel : Strahlende Kinder - Herausfordernde Bedingungen für alle

Auch Marc Oliver Knöpfel, National Delegate und Vizepräsident von Swiss Sailing, begrüsst die Durchführung von solch zentralisierten Schweizermeisterschaften grundsätzlich. Man müsse sich den Ansprüchen, welche gemeinsame SMs mit sich bringen, indes bewusst sein: „Die Organisation auf dem Wasser, wenn mehrere Klassen gleichzeitig Wettfahrten auf autonomen Regattabahnen weit von der Base entfernt segeln, stellt insbesondere die Race Management und den Beach Master vor grosse koordinative Herausforderungen. Da ist eine gute Kommunikation untereinander, aber auch mit den Seglerinnen und Segler, zwingend.“ 

Seine Bilanz: Auch wenn nicht immer alles reibungslos geklappt hat, dürfen wir nicht vergessen, dass eine solche zentrale Junioren SM eine der zwei grössten Veranstaltungen ist, die Swiss Sailing zu vergeben hat. So ist es sehr schön, im YCAs und dem CVLL motivierte Clubs gefunden zu haben, welche diese Aufgabe meistern wollten. Viel Erfahrung damit kann sich in der Schweiz kein Club aufbauen. The only thing that really counts: Smiling Kid’s faces having fair fun and sporty action on water as well as ashore!

Bei den 420 Lasern geht der Schweizermeistertitel übrigens an den Thunersee: Nick Robin Zeltner und Till Seger vom RCO setzten sich mit drei Punkten Vorsprung gegen Solène Mariani und Maude Schmid (CNM) durch. Junioren Schweizermeister bei den 4.7 wird Philip Tibaldo vom CVLL; mit seinem Laufsieg in der 7. Wettfahrt gelang es ihm, den punktgleichen Félix Baudet (SNG) noch von der Spitze zu verdrängen.

Die Resultate der zentralisierten Junioren SM 2017

 Bericht: Diana Fäh Mosimann