Zentralvorstand Swiss Sailing : Bruno Rossini, Youth


Transparenz-Dialog-Präsenz: so das Credo der neuen Verbandsführung von Swiss Sailing. Dazu gehört, dass man die Personen im Vorstand kennt. Was sind das für Leute? Welche Ideen bringen sie mit und welche Vorhaben sollen in nächster Zeit umgesetzt werden? Im Sinne einer umfassenden Information stellen wir Ihnen in unregelmässigen Abständen ein Mitglied des Zentralvorstands vor.


Bruno Rossini ist pensionierter Banker und seit rund 40 Jahren Mitglied des Circolo Velico Lago di Lugano, wovon 20 Jahre im Vorstand. Der sprachgewandte Tessiner – der 73-jährige spricht italienisch, deutsch, französisch und englisch – engagiert sich mit viel Herzblut für den Tessiner Segelnachwuchs. So hat der ehemalige Bankdirektor u.a. das Junioren-Regionalkader im Tessin aufgebaut und war zudem einige Jahre lang Vorstandsmitglied der Optimist-Klasse. „Ich möchte mit meiner Tätigkeit dazu beitragen, den Kindern die Möglichkeit zu bieten, aktiv zu segeln. Sie sollen damit eine Freizeitbeschäftigung haben, die ihnen nicht nur einen Rahmen gibt, sondern gleichzeitig eine gute Lebensschule ist.

 

Woher nimmt Bruno Rossini seine Motivation, sich derart für den Segelsport und namentlich für den Segelnachwuchs zu engagieren? „Schon immer habe ich einen Grossteil meiner Freizeit der Beschäftigung mit jungen Sportlern gewidmet“, erklärt er. Lange bevor er sich der jungen Segler angenommen hat, hat Bruno Rossini die Junioren des Fussballklubs Rapid Lugano trainiert. Irgendwann habe er angefangen zu segeln und sei schliesslich Mitglied des CVLL geworden, wo er schon bald in den Vorstand gewählt wurde, erzählt er. „Das war in den siebziger Jahren, und in unserem Klub wurden bereits Opti-Regatten organisiert. Das hat mich sogleich fasziniert. Folglich dauerte es nicht lange, bis ich mich darum gekümmert habe“. Sein Wunsch wäre, dass alle Klubs über eine Juniorenabteilung verfügen und sich bemühen, Kindern und Jugendlichen unseren schönen Sport näherzubringen.

 

Aktive Nachwuchssuche auch in den Schulen

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sich die Verantwortlichen der regionalen Jugend-Abteilungen und der Clubs bei der Rekrutierung von jungen Optimisten nicht nur bei den Segler-Familien engagieren, sondern vor allem in den Schulen. „Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Schulbesuche, um den Schülern den Segelsport vorzustellen, Schulklassen einladen, den Club zu besichtigen, analog zu den Skilagern im Winter während den Sommerferien Segellager anbieten sowie weitere Aktivitäten rund ums Segeln organisieren, die allen Kindern ab sieben Jahre offen stehen.“ Diese Massnahmen habe sein Club, der CVLL, ergriffen und damit sehr gute Ergebnisse erzielt, zieht Bruno Rossini eine positive Bilanz. „Die Basis der Optimisten hat sich beträchtlich erweitert, was in wenigen Jahren eine positive Wirkung für den Laser als auch für den 420er haben wird“, ist Rossini überzeugt.

 

Handlungsbedarf im Nachwuchsbereich

Im Zentralvorstand von Swiss Sailing macht sich Bruno Rossini überdies für die Entwicklung des Jugendspitzensports stark. Obwohl die Optimist-Klasse während den letzten Jahren hervorragende Ergebnisse erzielt hat und die Schweiz zwei Opti-Weltmeister feiern konnte, stagniert die Teilnehmerzahl an den Regatten. „Aktuell nehmen an den Opti-Regatten jeweils 120 bis 140 Kinder teil. Idealerweise sollten es 200 bis 250 sein“, so Bruno Rossini und erklärt: „Je breiter die Basis in der Opti-Klasse, desto mehr Segler wechseln in die Laser- und die 420er-Klasse, sobald die Altersgrenze und die nötigen physischen Voraussetzungen erreicht sind.“ Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die Zusammenarbeit mit den Clubs und den Regionen von Swiss Sailing intensiviert werden und die Voraussetzungen geschaffen werden, um den Einstieg ins Segeln für Kinder einfacher zu machen.

 

Laser und 420er: Selektionsmodus anpassen

Weiteren Handlungsbedarf sieht Bruno Rossini bei den Lasern und 420er. So sollte die Swiss Laser Association die Aktivitäten für die Jugendlichen attraktiver gestalten, indem sie Reglemente schafft, welche eine strenge Selektion der Jungen und Mädchen zu den Europa- und Weltmeisterschaften anvisiert. „Es kann doch nicht sein, dass wir an einer schweizerischen Punkte-Meisterschaft auf knapp zehn Boote kommen, während an Europa- oder Weltmeisterschaften 15 bis 20 Jugendliche aus der Schweiz eingeschrieben sind, ohne eine entsprechende Selektion durchlaufen zu haben“, moniert Rossini. Er schlägt vor, es bei den Lasern resp. 420er wie bei den Optimisten zu handhaben: „Bei den Optis zählen drei, maximal vier Regatten in der Schweiz und zwei Regatten im Ausland als Selektionsgrundlage für die Teilnahme an einer EM resp. WM. Gälte dieses System auch für die Laser resp. 420er, würde dies die Anwesenheit von jungen Laser-Seglern an den PM in der Schweiz auf einen Schlag beträchtlich erhöhen“, ist Rossini überzeugt.

Ausbildung und Trainerrekrutierung

Im Bereich der Ausbildung und der Trainerrekrutierung sieht Bruno Rossini ebenfalls Verbesserungspotenzial. „Um im Segeln erfolgreich und konkurrenzfähig zu sein, braucht es die besten Trainer - das gilt für jedes Niveau“, so Rossini. Also schon auf Kinderstufe. Laut Rossini basieren all die Erfolge, die in den letzten Jahren bei den Optis erzielt worden sind - allen voran die beiden WM-Titel - darauf, dass schon in dieser Klasse Profi-Trainer engagiert sind. Solche brauche es laut Rossini insbesondere auch für die jungen Leute, welche an nationalen und internationalen Regatten teilnehmen. Momentan ist es für einen Schweizer jedoch meist nicht möglich, vom Trainergehalt allein zu leben. Darunter leidet die Attraktivität des Trainerberufs. Folgedessen gibt es zu wenig einheimische Trainer. Also bleibt nur die Möglichkeit, ausländische Top-Trainer zu engagieren, deren ausländische Diplome von Swiss Sailing, Swiss Olympic und BASPO anerkannt sind. Hier sieht Bruno Rossini ebenfalls Handlungsbedarf: «Wir müssen vermehrt Schweizer Trainer ausbilden. Zudem müssen die Clubs gewillt sein, den Trainern ein entsprechendes Gehalt zu bieten.» Nur so können die Schweizer Nachwuchssegler auch in Zukunft zu den Besten der Welt gehören.


Bisher erschienene Porträts:

Martin Vogler, Präsident Swiss Sailing

Christoph Caviezel, Kommunikation und Marketing

Marc Oliver Knöpfel, Racing

Rolf Zwicky, Cruising


Autor: Diana Fäh

Fotos: zVg