Ausbildung: «Wir möchten den Trainerberuf attraktiver machen»


Theresa Lagler arbeitet seit Sommer 2015 als Ausbildungsverantwortliche für Swiss Sailing und ist damit seit vier Jahren eine der zukunftsbestimmenden Personen in Sachen Ausbildung im Schweizer Segelsport. Die Zürcherin hat tatkräftig mitgeholfen, die Jugend und Sport-Ausbildungsstruktur im Segeln grundlegend zu überarbeiten. Die neue J+S Ausbildungsstruktur ist seit Juni 2019 in Kraft.

Im nachfolgenden Interview erklärt Theresa Lagler, worin die grössten Änderungen bestehen und was das Ziel der neuen Ausbildungsstruktur ist.

Theresa, warum musste die Ausbildungsstruktur überhaupt überarbeitet werden?

Theresa Lagler: Die Ausbildungsstruktur ist seit Jahren nicht geändert worden. Hinzu kommt, dass die Namen der verschiedenen Module dem spannenden Inhalt nicht gerecht wurden, sprich sie waren nicht sehr attraktiv und teilweise nicht wirklich aussagekräftig. Mit den neuen Modulen wollen wir flexibel sein und uns an die Veränderungen der Segelwelt anpassen können.

Worin bestehen die grössten Änderungen?

Wir haben in beiden Weiterbildungsstufen neue Module hinzugefügt. Das Technik Modul 1 und 2 wurde komplett neu entwickelt, in der Weiterbildung 2 wurde zudem ein Modul für den Breitensport - «Freizeitsegeln» - entwickelt. Dadurch erhoffen wir uns, dass mehr Leiter/innen in der zweiten Weiterbildungsstufe erreicht werden.

Mit dem neuen Modul «Vertiefung» wurde zudem ein Gefäss für diverse segelspezifische Themen geschaffen, zum Beispiel kinder- und jugendgerechte Wettkampfformen, Neuerungen im Segelsport, Entwicklung von Foiling, Katamaran, neue Bootsklassen, Yachtspezialisierung, etc.

Was ist das Ziel der neuen Ausbildungsstruktur?

Ein Ziel ist es, attraktive Module anzubieten und dadurch alle Leiter/innen anzusprechen. Es ist wichtig, die zur Verfügung stehende Zeit optimal zu nützen. Das bedingt, dass die Inhalte der Module interessant und spannend sein und für die Kursteilnehmer/innen einen Mehrwert darstellen müssen. Es darf bei niemandem das Gefühl aufkommen, dass er hier nur Zeit vergeude. Zudem möchten wir möglichst viele Leiter/innen motivieren, die Weiterbildungsstufe 2 zu absolvieren. Fakt ist, dass der Trainerberuf für viele Schweizer nach wie vor zu wenig attraktiv ist, sowohl finanziell wie auch betreffend den Status des Trainerberufs. Uns ist es ein grosses Anliegen, den Trainerberuf attraktiv zu gestalten, und Schweizer Leiter/innen weiterzubringen.

Wo siehst du noch die grössten «Baustellen» in Sachen Ausbildung?

Wir kämpfen ständig damit, genügend Experten zu haben, die zudem mehrsprachig sind, da unsere Kursteilnehmer aus allen Ecken der Schweiz kommen. Eine weitere Herausforderung für uns: Wie können wir unsere Leiter/innen motivieren, sich weiterzubilden, ohne dass sie das Gefühl haben, sie «müssten»? Und schliesslich: Wie gelingt es uns, Schweizer Trainer auf höherer Stufe auszubilden. Da wären wir wieder beim Punkt «den Trainerberuf attraktiv zu gestalten»….

Und zum Abschluss: Was wünschst du persönlich dir für den Bereich «Ausbildung im Segelsport»?

Viele motivierte Leiter/innen, die freiwillig in die hoffentlich lehrreichen Weiterbildungsmodule kommen und gewillt sind, sich im Segelsport weiterzubilden. Durch eine solide Ausbildung der LeiterInnen kann die Jugendförderung in der ganzen Schweiz gezielt gefördert werden. Die Arbeit der Leiter/innen und Trainer/nnen muss aber in allen Segelclubs anerkannt und entsprechend honoriert werden.


Die wichtigsten Änderungen

Weiterbildung 1

«Methodik» (2-3 Tage) ersetzt «Führen auf dem Wasser (Jolle)»/«Führen auf der Yacht».

«Technik 1» (2-3 Tage) ersetzt «Qualifikation Jolle/Yacht».

Mit dem neuen Modul «Vertiefung» wurde ein Gefäss für diverse segelspezifische Themen geschaffen, zum Beispiel kinder- und jugendgerechte Wettkampfformen, Neuerungen im Segelsport, Entwicklung von Foiling, Katamaran, neue Bootsklassen, Yachtspezialisierung, etc.

 Weiterbildung 2

«Regattatraining» (1-2 Tage) ersetzt «Einführung Regattatraining».

«Physis» (1-2 Tage) ersetzt «Trainingsgrundlagen».

Neu sind «Technik 2» (1-2 Tage) und «Freizeitsegeln» (1-2 Tage).

Das Modul «Wettfahrtregeln» fällt weg. Die Inhalte wurden in die anderen Module integriert.

Ausbildungswege

Um die Weiterbildung 1 abzuschliessen müssen die Module «Sicherheit im Wassersport», «Methodik» und «Technik 1» besucht werden.

Für die Zulassung zum Modul «Einführung Leistungssport» müssen in der Weiterbildung 2 die Module «Regattatraining», «Physis» und «Technik 2» absolviert sein. Auf dem Weg zum J+S-Experten kann an Stelle des Moduls «Regattatraining» das Modul «Freizeitsegeln» besucht werden.

Äquivalenzen

Leiterpersonen, welche die Weiterbildung 2 nach «alter» Ausbildungsstruktur abgeschlossen haben, können das Modul «Einführung Leistungssport» zu besuchen. Ist die Weiterbildung 2 noch nicht abgeschlossen, gelten folgende Module als äquivalent:

·       Methodik = Führen auf dem Wasser / Führen auf der Yacht

·       Regattatraining = Einführung Regattatraining

·       Physis = Trainingsgrundlagen


 

Weitere Informationen zur Ausbildung finden Sie auf unserer Homepage unter folgendem Link: https://www.swiss-sailing.ch/ressorts/youth/ausbildung/