J/70 wird Swiss Sailing Class


Ende Jahr erhielt die J/70 Klassenvereinigung offiziell die Anerkennung als Swiss Sailing Class. Die enorme Popularität in der Schweiz verdankt das kleine One-Design Boot der Sailing League. Die J/70 wird auch in den meisten Ligen der Nachbarländer sowie bei der Sailing Champions League eingesetzt. Die Klassenvereinigung möchte mit ihren Aktivitäten jetzt aber aus dem Schatten der Segelliga heraustreten und ambitionierten Seglern auch in der Schweiz Regatten mit grossen Feldern auf hohem Niveau anbieten. Für 2018 sind fünf Schwerpunktregatten geplant, erstmals auch im Tessin und in der Romandie.

Die meisten Schweizer Segler haben wohl erstmals im Mai 2013 von der Existenz der J/70 Kenntnis genommen: 15 Clubs des Bodensee Seglerverbandes hatten sich in einem zweistufigen Wahlverfahren zum Projekt «Bodensee Einheitsklasse» überraschend für die J/70 entschieden. Alle Segelclubs am Bodensee konzentrieren seither Ausbildung und Regattatätigkeit auf dieses Boot. Da war das One-Design-Sportboot, das von der amerikanischen Firma J/Boats entwickelt und vertrieben wird, gerade mal ein Jahr auf dem Markt und am Beginn seiner rasanten Entwicklung. Als dann auch die Swiss Sailing League entschied, mit diesem Bootstyp zu segeln, war klar, die J/70 sollte auch in der Schweiz eine Erfolgsgeschichte schreiben. Wer in der Liga mithalten will, braucht Training auf einer J/70. Nicht nur Regatteure auch zahlreiche Clubs entschlossen sich zum Kauf der gut handelbaren kleinen Jacht.

Die J/70 trifft den Nerv der Zeit

Nur drei Jahre nach der ersten Präsentation wurden weltweit bereits mehr als 900 Schiffe verkauft. Sowohl in den USA als auch in Europa trifft die J/70 den Nerv der Zeit. An der Weltmeisterschaft 2015 starteten über 80 Schiffe und letztes Jahr waren an der WM in Porto Cervo 161 Boote am Start, davon 13 unter Schweizer Flagge. Noch nie hatte eine Kielbootklasse bei einer Weltmeisterschaft ein solch grosses Teilnehmerfeld gestellt. Neben den Aktivitäten in der Segelliga gab es für J/70 Segler in der Schweiz aber bis anhin wenig Gelegenheit zum Regattieren. Wer auf hohem Niveau in grossen Feldern J/70 segeln wollte, nahm am italienischen Alcatel Cup teil, ging an die Monaco Winter Series oder regattierte an der Battle of Constanze am Bodensee.

Zahlreiche Aktivitäten in der Pipeline

Das soll sich jetzt aber ändern. Ruedi Corbelli ist Präsident der Schweizer J/70 Klassenvereinigung die mittlerweile schon 60 Mitglieder zählt. Nachdem die J/70 die Anerkennung als Swiss Sailing Klasse Ende November erhalten hat, möchte er auch mit den Klassenaktivitäten zum Quantensprung ansetzen: «Es ist richtig, dass die Sailing League bis jetzt die Klasse etwas in den Hintergrund stellte. Der neue Vorstand setzt sich stark für eine aktive J70-Klasse ein. Wir organisierten 2017 drei Schwerpunktregatten, da waren jeweils 15 und mehr Boote am Start. Dieses Jahr werden wir aber eine richtige Jahreswertung, den Swiss Cup, mit fünf Events in allen Landesteilen durchführen. Höhepunkt wird dabei die erste Klassenmeisterschaft anlässlich der Windweek Ende August in Brunnen. Ab 2019 wird es dann eine richtige Schweizermeisterschaft geben, die Bedingung zur Durchführungsberechtigung erfüllen wir erst dieses Jahr.»

Die Zeichen stehen auf Expansion

Corbelli möchte die Klassenorganisation vervollständigen, die Mitglieder in möglichst allen Belangen unterstützen und für einen guten Klassengeist sorgen. Er hofft, dass die Teilnehmerzahlen an den Schweizer Regatten weiter steigen. Am Bodensee und am Vierwaldstättersee gibt es bereits aktive Flotten. Regionale Gruppen sind aber auch am  Thunersee, Genfersee, Neuenburgersee und Zürichsee am Entstehen. Auch im Tessin wird eine starke Klasse erwartet. Die Zeichen stehen also überall auf Expansion. Wer sich die Entwicklung der Schweizer Segelliga vor Augen hält, zweifelt nicht daran, dass die J/70 auch als Bootsklasse in der Schweiz eine grosse Zukunft vor sich hat. 

j70-class.ch

Autor: Walter Rudin