"Das Schwierigste war die unabsehbare Zeitspanne bis zur Wiedereröffnung"


Segelschulen gibt es an fast allen Seen - doch welche Schule ist auch wirklich qualifiziert? Seit rund fünf Jahren können sich interessierte Segelschulen zertifizieren lassen. Das Qualitätslabel «SUI Sailing Certified School» besagt, dass die entsprechende Segelschule in Sachen Unterricht, Sicherheit, Material und Auftritt einen von Swiss Sailing geforderten Standard pflegt.

Die Segelschule Neuhaus-Thunersee ist die jüngste zertifizierte Segelschule in der Schweiz. Wir haben mit der Inhaberin, Barbara Baumann, ein Interview geführt. Und wollten von ihr als Erstes wissen, wie sie die vergangenen acht Wochen Lockdown empfunden hat und was für sie persönlich das Schwierigste an der ganzen Situation war.

Barbara Baumann, die Segelschule Neuhaus Thunersee war die vergangenen Wochen ebenfalls vom Lockdown betroffen. Wie haben Sie diese Zeit empfunden? Was war dabei für Sie persönlich das Schwierigste in den vergangenen acht Wochen?
Barbara Baumann: Die Zeit habe ich offengesagt sehr gut nutzen können, um Unterhaltsarbeiten an unserer Infrastruktur sowie am Bootspark, Gebäude, Hafenplätze und Bojen zu erledigen. Ebenso haben wir Lektionspläne überarbeitet und neue Themen hinzugenommen, das war spannend und lehrreich. Das Schwierigste war die unabsehbare Zeitspanne bis zur Wiedereröffnung. Als das Datum kommuniziert wurde, war ich sehr erleichtert, nun wieder ein Ziel vor Augen zu haben und planen zu können.  

Seit dieser Woche ist die Segelschule Neuhaus wieder offen. Worauf freuen Sie sich am meisten? Auf meine Kunden und ihre täglichen Fortschritte, die Begeisterung, die ich in den Augen leuchten sehe und die Bereicherung, wieder mit so vielen Berufsgruppen interagieren zu dürfen.

Welche speziellen Vorkehrungen hat die Segelschule Neuhaus-Thunersee für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs vorgenommen? Wir haben uns gemäss dem VSMS Schutzkonzept vorbereitet und die diversen Materialen bereitgestellt. Zudem haben wir noch ein zweites RIB Motorboot gekauft damit während dem Transfer zu den Yachten der Mindestabstand eingehalten werden kann.

Wie lange gibt es die Segelschule Neuhaus eigentlich bereits? Die Segelschule gibt es schon seit über 50 Jahren. Ursprünglich war sie ein Teil der Segelschule Thunersee, bis die Station verkauft wurde. Seit rund 20 Jahre wird sie als selbständige Segelschule betrieben. Ich selber bin seit zehn Jahren an Bord und habe schliesslich vor fünf Jahren die Segelschule vom damaligen Inhaber Charles Thomas übernommen.    

Wodurch zeichnet sich die Segelschule Neuhaus aus? Faszination ist unser Massstab. Kompetente und individuelle Betreuung ist eine unserer Stärken. Wir legen deshalb grossen Wert auf kleine Gruppen und persönliche Betreuung. So gilt für unsere Kurse max. drei Teilnehmende pro Boot und Segellehrer. Top ausgebildete Segellehrer sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil unserer Segelschule. Um effektiv unterrichten und lehren zu können, muss ein Instruktor aber nicht nur ein fundiertes Fachwissen mitbringen, sondern auch wissen, wie der Mensch Informationen verarbeitet und wie Handlungen gesteuert werden. Er muss in der Lage sein, aus theoretischem Wissen Bewegungsabläufe zu trainieren und Entscheidungen abzuleiten. Das heisst er muss wissen, auf welche Signale welche Aktion und welche Bewegung folgt. Unsere  Segellehrerinnen und Segellehrer, die bereits viel Erfahrung in den Bereichen Binnen, Hochsee, Fahrtensegler und Regatta aber auch Methodik und Didaktik mitbringen, bilden sich deshalb regelmässig intern weiter.  

Ein weiterer Faktor für eine qualitativ hochwertige Ausbildung ist unser breiter Bootspark: Wir trainieren im Grundkurs auf Surprise, Yngling und Laser und im Prüfungskurs nur auf Surprise. So kann der Teilnehmer im Grundkurs die verschiedenen Facetten des Segelsports kennenlernen und entscheiden, in welche Richtung er gehen möchte. Im Prüfungskurs, mit der Grösse einer Yacht des Typs Surprise, lernt der Teilnehmer, wie sich Boote mit mehr Masse verhalten, was es bedeutet, eine Crew zu führen und wie wichtig die Seemannschaft ist. Wir bilden auch weiterführend auf Hochsee aus.  

Worauf legen Sie besonderen Wert bei der Ausbildung? Zum einen soll ein Ausbildungsbetrieb ein Umfeld gewährleisten, in welchem der Teilnehmer optimale Leistung erbringen kann. Unser Ziel ist es zudem nicht, einfach nur das Segeln zu lehren. Vielmehr möchten wir Segler und  Bootsführer ausbilden, welche  auch in menschlich, technisch und wetterbedingt schwierigen Situationen sicher unterwegs sind. Entsprechend habe ich Mühe damit, wenn Segelschulen für Neueinsteiger ohne seglerische Vorkenntnisse einen D-Schein in "nur" fünf Tagen inklusive Prüfung anbieten. Die von mir erwähnten Aspekte sind in diesem Fall unmöglich umsetzbar. Entsprechend leidet die Qualität der Ausbildung und führt in meinen Augen zu entsprechenden Risiken für die ausgebildeten Personen.  

Eine Liste mit den zertifizierten Segelschulen findet sich auf der Homepage von Swiss Sailing