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07.04.2026Verband

Die Rolle der Vermesser im Wandel 

In der Schweiz gibt es heute noch knapp zwanzig Vermesser und doch sind sie unverzichtbar für den Regattasport.

 Ihre Aufgabe: Boote, Segel und Ausrüstung zu prüfen und sicherzustellen, dass alles den Klassenregeln und den Vorgaben von World Sailing entspricht. Damit schaffen sie die Grundlage für faire Wettkämpfe, bei denen seglerisches Können, Vorbereitung und Taktik im Mittelpunkt stehen. Oder, wie es Jean-Pierre Marmier treffend formuliert: „Ohne eingehaltene Regeln gibt es kein Spiel.“  

Ein Blick zurück zeigt, wie stark sich das Berufsbild verändert hat. Als Marmier 1961 als offizieller Vermesser begann, prüfte er vor allem Boote aus lokalen Werften. Damals ging es darum, Käufern zu garantieren, dass ihr neues Boot den Klassenregeln entsprach. Mit der Industrialisierung und Serienproduktion hat sich diese Aufgabe jedoch verlagert: Heute finden viele Kontrollen bereits im Herstellungsprozess – oft im Ausland – statt. Gleichzeitig ist ein neues, anspruchsvolles Feld entstanden: die Restaurierung historischer Boote, bei der alte Regeln und Zertifikate korrekt angewendet werden müssen.  

Auch technologisch hat sich vieles getan. Guy-Roland Perrin, seit fünf Jahrzehnten Vermesser, hat den Wandel hautnah miterlebt: vom Holzbau über Aluminium und Glasfaser bis hin zu modernen Carbonkonstruktionen. Parallel dazu haben sich die Messmethoden revolutioniert – von Lot und Wasserwaage hin zu Lasern, Ultraschall und 3D-Scannern. Was früher im Zentimeterbereich gemessen wurde, erfordert heute Präzision im Millimeter- oder sogar Submillimeterbereich.  

Diese Entwicklung hat den Beruf deutlich professionalisiert. Moderne Vermesser benötigen nicht nur fundiertes Regelwissen, sondern auch technisches Verständnis, präzise Methodik und oft kostspielige Ausrüstung. Gleichzeitig steigen die Erwartungen: Seglerinnen und Segler sind heute bestens vorbereitet und verlangen höchste Genauigkeit.  

Für Yorick Klipfel, Ingenieur und Vertreter der jüngeren Generation, steht fest: „Vermessung ist in erster Linie Metrologie.“ Er beobachtet zudem einen klaren Trend zu strikten Einheitsklassen. Viele Boote werden bereits ab Werk zertifiziert, was zwar einzelne Messungen reduziert, aber die Bedeutung von Kontrolle, Interpretation und Konsistenz weiter erhöht. 

Auch organisatorisch ist Bewegung entstanden. Swiss Sailing hat 2024 eingeführt, dass jede Klasse einen Hauptvermesser benennt, um klare Zuständigkeiten zu schaffen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war der Vermessertag im Februar: 18 Vermesser trafen sich, um Akkreditierungen zu klären, administrative Rückstände aufzuholen und zukünftige Zertifizierungen festzulegen. Praktische Arbeiten – etwa an einem Class A Katamaran – rundeten das Programm ab und zeigten, wie anspruchsvoll selbst scheinbar einfache Bootsklassen sein können.  

Fazit: Der Beruf des Vermessers hat sich stark gewandelt – von der Werftkontrolle hin zu hochpräziser, technischer Expertise. Doch eines ist geblieben: Ihre zentrale Rolle für einen fairen und glaubwürdigen Segelsport. 

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