Unsere Reise führte uns nach Prangins, wo wir im Mai während des RS Venture Swiss Cups – einer der wichtigsten Veranstaltungen der Vereinigung – herzlich empfangen wurden.
„Steig ein und lass deine Unterschiede an Land.“ Kaum ein Satz beschreibt die Philosophie von Swiss Disabled Sailing, in der Romandie auch als Handivoile.ch bekannt, treffender. Seit fast 30 Jahren beweist die Organisation, dass Segeln für Menschen mit körperlichen, sensorischen oder geistigen Beeinträchtigungen zugänglich ist. Darüber hinaus vertrat sie die Schweiz bei den Paralympischen Spielen in Barcelona, Atlanta und Sydney.
Die 1996 gegründete Vereinigung hat heute ihren Sitz in Prangins und verfügt dort über eine einzigartige Infrastruktur am Genfersee. «Hier ist alles vorhanden: die Boote, die angepasste Ausrüstung und der Personenlift. Dieser Standort ist aussergewöhnlich», erklärt der neue Präsident Harold Syfrig. Er hat das Amt in diesem Jahr übernommen, nachdem er während einer längeren Übergangsphase eng mit Michel Darbre zusammengearbeitet hatte, der die Vereinigung während fast drei Jahrzehnten prägte.
Für Michel Darbre, weit mehr als nur Präsident, sondern eigentlicher Motor und Botschafter der Organisation, begann das Abenteuer bereits bei deren Gründung. «Zu Beginn konzentrierten wir uns ausschliesslich auf den Regattasport. Das Freizeitsegeln kam später hinzu. Wir sind immer Schritt für Schritt vorgegangen und haben Projekte erst umgesetzt, wenn die notwendigen Mittel vorhanden waren.» Dieser vorsichtige Ansatz ermöglichte eine nachhaltige Entwicklung trotz begrenzter Ressourcen.
Heute bietet Swiss Disabled Sailing sowohl Wettkampf- als auch Freizeitsegeln an. Die Crews bestehen in den meisten Fällen aus einer Person mit Beeinträchtigung und einer nicht beeinträchtigten Begleitperson. Viele dieser Teams entstehen durch langjährige Freundschaften und gemeinsame Segelerfahrungen. «Was mich immer wieder beeindruckt, ist die Entwicklung der Seglerinnen und Segler. Man sieht, wie Menschen an Selbstvertrauen gewinnen, selbstständiger werden und manchmal sogar über sich hinauswachsen», betont Harold Syfrig.
Einer von ihnen ist Daniel Amiguet, der seit 2009 mit der Vereinigung segelt. «Ich kam durch einen Freund dazu, der einen Vorschoter suchte. Die Atmosphäre ist einzigartig. Ich habe Menschen aus ganz Europa kennengelernt und echte Freundschaften geschlossen.» Nach einer mehrjährigen Pause kehrte er 2021 in die RS Venture Klasse zurück. Nur wenige Monate später gewann er mit seinem Team einen Weltmeistertitel. «Natürlich ist ein Sieg etwas Schönes. Aber am wichtigsten sind die Begegnungen und all jene Menschen, die so viel Zeit investieren, damit wir segeln können.»
Diese engagierten Freiwilligen sind zahlreich. Einer von ihnen ist Claude-Alain Loretan, seit fast 20 Jahren eine zentrale Figur der Organisation. Kommunikation, Administration, Logistik oder die Organisation von Lagern – er engagiert sich in nahezu allen Bereichen. «Ich mache das unglaublich gerne. Es tut mir gut, hierherzukommen», erzählt er.
Für die Zukunft sind die Ziele klar: die Sichtbarkeit erhöhen, neue Seglerinnen und Segler gewinnen und das Angebot im Bereich Freizeitsegeln weiter ausbauen. «Die grösste Herausforderung besteht wohl darin, noch mehr junge Menschen zu erreichen», sagt Harold Syfrig. Eine wichtige Aufgabe für eine Organisation, die Jahr für Jahr Barrieren abbaut und Menschen durch den Segelsport zusammenbringt.
Am Samstag, 19. September, feiert Swiss Disabled Sailing ihr 30-jähriges Bestehen. Wir gratulieren herzlich zu diesem Jubiläum und wünschen weiterhin viel Erfolg.
Wichtige Meilensteine
- 1996 – Gründung von Swiss Disabled Sailing.
- 2000er-Jahre – Schrittweiser Ausbau des Freizeitsegelangebots als Ergänzung zum Regattasport.
- 2010er-Jahre – Aufbau und Weiterentwicklung der angepassten Segelbasis in Prangins.
- 2021 – Weltmeistertitel in der RS Venture Klasse für eine Crew der Vereinigung.
- 2026 – Amtsübergabe von Michel Darbre an Harold Syfrig als Präsident.